Das Messie-Syndrom

Messie-SyndromMit der umgangssprachlich als Messie-Syndrom bezeichneten Erkrankung werden meistens sehr schwerwiegenden Defizite in der Fähigkeit seine eigene Wohnung ordentlich/aufgeräumt zu halten und die anfallenden Aufgaben des Alltags selbstständig zu organisieren. Bei einem Messie-Syndrom liegen häufig ernsthafte seelische Störungen vor.

Der Begriff Messie-Syndrom ist abgeleitet aus dem englischen Wort "mess", was so viel wie Unordnung bedeutet. Allerdings lautet die korrekte Bezeichnung für die mit dem Messie-Syndrom in Verbindung gebrachte Symptomatik "Compulsive Hoarding", zu Deutsch: zwanghaftes Horten. Das Messie-Syndrom wird in der Fachwelt häufig auch als Desorganisationsproblematik bezeichnet.

Was man unter einem Messie-Syndrom versteht

Das Messie-Syndrom ist dem Grunde nach eine Wertbemessungsstörung. Das heißt, dass die Betroffenen den Wert und den Nutzen verschiedener Gegenstände häufig anders beurteilen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ein Messie-Syndrom zeigt sich auf sehr unterschiedliche Weise. Gesammelt wird dabei alles, was dem Betroffenen von Wert oder als nützlich erscheint, wie z.B. Zeitungen, Zeitschriften, Verpackungsmaterial, Lebensmittel, Werkzeuge, Spielsachen, Kleidung, Ersatzteile etc. Eine besonders schwere Form ist das sogenannte "Tier-Hoarding" (unkontrolliertes Sammeln von Tieren).

Die betroffenen Gegenstände werden anfangs gekauft und mit zunehmender Verwahrlosung, Vermüllung und Verarmung auch auf dem Müll oder auf der Straße gesammelt, oder einfach nicht entsorgt sondern behalten. Betroffene sammeln manchmal nur bestimmte Gegenstände, in Extremfällen wird einfach alles gesammelt und nichts mehr weggeworfen.

Das Messie-Syndrom führt oft zu Verwahrlosung des Betroffenen und seiner Umgebung, zur Vermüllung seines Lebensbereichs und zu sozialen Schwierigkeiten wie den Umgang mit anderen Menschen sowie anderen Problemen (z.B. Verarmung). Allerdings ist keines davon charakteristisch oder prägend für das Syndrom. Viele Betroffene führen in der Regel nach außen hin ein Leben, dass sich von dem anderer nicht unterscheidet.

Ursachen für das Messie-Syndrom

Es gibt keine bestimmte Ursache als Auslöser für das Messie-Syndrom. Die Ursachen sind mannigfaltig. Sie treten einzeln oder gemischt und sind häufig nur Mitursache - seltener Hauptursache.

Das Messie-Syndrom wird durch eine Differential- und Ausschlussdiagnose festgestellt. Das heißt, es werden Erkrankungen, die u.a. mit Müdigkeit, Erschöpfung oder Schwäche, wie Seh- oder Gehschwäche, die beispielsweise bei einer altersbedingten oder einen anderen Form der Diabetes auftreten, oder mit (einem in der Entstehung begriffenen) Krebs verbunden sind, ausgeschlossen.

Eine mögliche Ursache kann u.a. in einem ausgeprägten Gefühl des "Verlassen-Werdens" von als angenehm empfundenen Dingen liegen. Das heißt, wer etwas erwirbt oder geschenkt bekommt, verbindet damit eine starke angenehme Erinnerung. Vor allem Betroffene, die im Leben selten oder nie Zuneigung oder Bestätigung erfahren haben, ist diese angenehme Erinnerung das Einzige, an das sie sich in ihrem Leben klammern können. Diese Erinnerung wollen sie keinesfalls verlieren. Stattdessen werden sie gehortet. Die Betroffenen sammeln also alles, was die angenehme Erinnerung bei ihnen (wieder) auslösen kann. Daher ist es für die Betroffenen unvorstellbar, diese Gegenstände zu entsorgen. Dahinter steckt die Angst, dass mit der Entsorgung auch das einzig Angenehme ihr Leben verlässt.

Eine andere mögliche Ursache des Messie-Syndroms kann beispielsweise ein Trauma (eine seelische Verwundung oder ein extremer Schicksalsschlag) sein, dass den Betroffenen aus der Bahn katapultiert hat. In der Fachwelt wird von fehlgelaufener Trauarbeit oder einer Anpassungsstörung gesprochen.

Auch Geiz kann die Ursache für die fehlgeleitete Sammelleidenschaft sein. Dabei kann sich der Betroffene von nichts trennen und muss alles mit der Maßgabe aufheben, dass man es ja vielleicht noch einmal gebrauchen könnte. An dieser Denkweise wird auch noch festgehalten, wenn der Betroffene bereits längst den Überblick verloren hat.

Ursache eines Messie-Syndroms können außerdem verschiedene psychische Störungen sein. Denkbar sind hier Störungen der bewusster und unbewusster psychischer Vorgänge, mi deren Hilfe Emotionen, Aufmerksamkeit, Impulse und Handlungen unter Berücksichtigung der Umwelt gesteuert werden, insbesondere im Zusammenhang mit Zwangserkrankungen. Mögliche Ursachen können aber auch eine Depression, Persönlichkeitsstörungen oder andere psychische Erkrankungen sein. Auch die Ursachen dieser Erkrankungen sind mannigfaltig und können u.a. auf bestimmte Erlebnisse und Entwicklungen in der Kindheit der Betroffenen zurückgeführt werden.

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