Liegt im Rotwein die Gesundheit?

wein"In vino veritas", sagten die Römer. Übersetzt heißt dies: "Im Wein (liegt) die Wahrheit!" Im Corpus Hippocraticum, einer Sammlung antiker medizinischer Schriften aus der Zeit zwischen dem 5. und dem 2. vorchristlichen Jahrhundert, fand Wein als Heilmittel schon mehrfache Erwähnung. Die Vorstellung, dass Wein eine medizinische Wirkung hat, ist also schon weit mehr als zweitausend Jahre verbreitet. Insbesondere dem Rotwein wird eine förderliche Wirkung zugesprochen. Ist Rotwein tatsächlich gesund?

Rotwein im Dienste der Wissenschaft

Vor der Entdeckung und Weiterentwicklung der naturwissenschaftlichen Analysemethoden, waren frühere Heilkundige auf empirische Beobachtungen der Wirkungen auf den Menschen angewiesen. Mittels chemischer Analysen lässt sich heute beispielsweise feststellen, dass Rotwein sich aus vielen unterschiedlichen Inhaltsstoffen in zahlreichen verschiedenen Verbindungen zusammensetzt. Das, was der Connaisseur am unterschiedlichen Geschmack erkennt, benennt der Chemiker mit Begriffen wie "Polyphenole", "Flavonoide" oder "Resveratrol" . Hierbei handelt es sich um nur einige wenige der pharmakologisch wirksamen Bestandteile. Heute kennt man in Rotweinen bis zu 1000 verschiedene Inhaltsstoffe und Verbindungen - und noch sind nicht alle identifiziert.

Was ist gesund am Rotwein

Wissenschaft ist in Bewegung. Ergebnisse von heute können morgen aufgrund neuer Forschungen schon widerlegt oder aber nochmals bestätigt worden sein. Ein Grundproblem liegt bei den Untersuchungen darin, dass häufig nur wenige Untersuchungspersonen zur Verfügung stehen oder die Effekte nicht über einen längeren Zeitraum beobachtet werden können. Auch kann aus finanziellen und zeitlichen Gründen nicht alles das untersucht werden, was interessant erscheint. Manche Studien werden nur im Tierversuch getestet und sind nicht beliebig auf den Menschen übertragbar. So liegt selten ein umfassendes Bild vor. Auch bei dem Thema "Rotwein und Gesundheit" sieht es da nicht anders aus. Herausgefunden wurde, dass beispielsweise die Rotweinpolyphenole eine Schutzfunktion für Blutbahnen, Herz und Muskulatur haben. Dies wurde beispielsweise bei Rindern und Ratten festgestellt. Wurden jetzt die Rotweinphenole extrahiert und als Trockenpräparat verabreicht, so wurde herausgefunden, dass dies beim Menschen keine positiven Auswirkungen auf den Blutdruck zur Folge hat.

"Nun sag', wie hast du's mit dem Weine..." - eine Gretchenfrage

Die medizinischen Forschungsergebnisse sind nicht eindeutig. Wohl aber gilt allgemein die Ansicht, dass ein "moderater Genuss" von Rotwein sich förderlicher auf die Gesundheit auswirken kann. Wirkung und Nutzen hängen unter anderem vom Geschlecht, Körpergewicht, der Ernährung und auch der Trinkgewohnheit im Allgemeinen ab. So sollten Nicht-Trinker deshalb nicht fortan aus medizinischen Gründen Rotwein trinken. Auch kann eine bestehende oder überwundene Alkoholerkrankung deutlich dagegen sprechen. Für alle anderen gilt dann: "Wohl bekomm's!"